Buch Review Marc Elsbergs „Zero“

Marc Elsberg – „Zero“

Autor: Marc Elsberg
Titel: Zero
Seiten: 480
Erscheinungsdatum: 26.05.2014
Sprache: deutsch
ASIN: 9783764504922 (Hardcover)
Amazon-Link: Zero

 

 

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„Schon die alten Griechen haben sich über die jungen Griechen aufgeregt. Weil sie die Schrift verwendet haben!“

„Schließlich sind da draußen alle auf Menschenjagd. Banken, Kreditkartenfirmen, Supermärkte, Autohersteller, Kleiderproduzenten, alle, Suchmaschinen, so nennen sich manche Internetgiganten sogar.“

„Wir sind halt so aufgewachsen. Mobiltelefone und das Internet kamen vor meiner Geburt in die Welt. Eure Generation hat diese Welt für uns gebastelt. Wir waren das nicht. Also regt euch nicht darüber auf.“

Klappentext:

Sie wissen, WER wir sind, WO wir sind – und WAS wir als Nächstes tun werden!

London. Bei einer Verfolgungsjagd wird ein Junge erschossen. Sein Tod führt die Journalistin Cynthia Bonsant zu der gefeierten Internetplattform Freemee. Diese sammelt und analysiert Daten – und verspricht dadurch ihren Millionen Nutzern ein besseres Leben und mehr Erfolg. Nur einer warnt vor Freemee und vor der Macht, die der Online-Newcomer einigen wenigen verleihen könnte: ZERO, der meistgesuchte Online-Aktivist der Welt. Als Cynthia anfängt, genauer zu recherchieren, wird sie selbst zur Gejagten. Doch in einer Welt voller Kameras, Datenbrillen und Smartphones gibt es kein Entkommen …

(aus der deutschen Ausgabe „ZERO“ Blanvalet)

Eigene Meinung:

Cover: Schlichter schwarzer Umschlag. In frostblauer Schrift die Letter „ZERO“. Im Hintergrund blasse Einsen und Nullen. Ich find es imemr gut, wenn Bücher eines Autors auch bezüglich des Covers stilistisch zusammen passen. Und schlichte Cover find ich sowieso gut. Also für das Cover schon einmal: Daumen hoch.

Inhalt/Geschichte: Als ich vor Wochen sah, dass ein neues Buch von Marc Elsberg erscheint, war es sofort im Kalender markiert und vorbestellt. So überzeugt war ich von dem Vorgänger „BLACKOUT„. Außerdem hat mich das angekündigte Thema auch neugierig gemacht. Daten und Internet? Aktueller geht es wohl in Zeiten von Google, Facebook, Apple und Edward Snowden nicht. Ich konnte das Erscheinen praktisch nicht erwarten. Doch zu meiner Überraschung musste ich gar nicht so lange warten, denn dank Blanvalet konnte ich mein Rezensionsexemplar schon vor Erscheinen in den Händen halten und habe sofort losgelegt. Um es vorweg zu nehmen: ich wurde nicht enttäuscht. Marc Elsberg schafft es auch hier das Thema aufzugreifen und den Leser mitzuziehen. Dabei bleibt er nicht einseitig. Aus der Perspektive der etwas technikrückständigeren Cynthia sehen wir die Sicht der Zweifler an der schönen neuen digitalisierten Welt. Doch auch die Sicht der Konzerne wird durch den Freemee-Leiter Carl dargestellt. So fragt man sich selbst, wie viel gibt man schon von sich preis? Wo wird man überall überwacht? Wie viel könnte man über mich erfahren? Und stört mich das? Wie wichtig ist mir meine Privatsphäre? Gibt es die überhaupt? Und das gefällt mir an diesem wie am Vorgängerbuch: Ich werde zum Nachdenken über mein eigenes Handeln angeregt und das ohne erhobenen Zeigefinger. Es geht darum, sich über die Realität klar zu werden und wie wir darin agieren. Es geht nicht um die Verunglimpfung und Anprangerung des Datensammelns allein. Dennoch kam mir des öfteren beim Lesen ein kalter Schauer den Rücken runter, denn so weit sind wir von den Technologien nicht entfernt. Eine Firma wie Freeme scheint durchaus möglich zu sein. Eine App, die ihren Nutzern ein besseres Leben verspricht, die Kontrolle über die Daten, die weiter gegeben werden. Doch zu welchem Preis? Der Freiheit? Der Eigenbestimmung? Des Lebens? All das verpackt er in einen spannenden Thriller, den man spätestens nach der Hälfte des Buches nicht mehr weglegen möchte.

Charaktere: Und da sind wir leider bei einer kleinen Schwachstelle angekommen. „Blackout“ war überwiegend aus Sicht eines Mannes geschrieben. Das lag Marc Elsberg vielleicht mehr. Cynthia hingegen bleibt doch häufig etwas hölzern. Die Beschreibung der Schwärmerei zu ihrem jungen Kollegen Chander fand ich manchmal schon fast lächerlich. Gefühle kamen da nicht wirklich auf. Doch das hier ist auch keine Romanze. Dennoch waren die Interaktionen zwischen den Figuren häufig eben etwas ungelenk. Trauer um Tode? Wozu? Es gibt doch wichtigers zu jagen. Selbst bei engen Bekannten. Es gab aber auch Lichtblicke. Den Autismus Carls hat er ganz gut eingefangen. Da musste ich schon manchmal schmunzeln. Witziges Detail waren die Anspielung auf Edward Snowden in Form der Figur Edward und SNOWman.

Stil/Gliederung: Der sprachliche Stil bleibt wie beim Vorgänger angenehm zu lesen. Doch wie schon in „BLACKOUT“ kommen auch hier viele Figuren und Schauplätze vor. Über die ersten 50-100 Seiten kommt man dadurch etwas ins Schwimmen. Auch wenn es hinten im Buch ein Personenverzeichnis gibt, wird man da ja nicht immer nachschlagen. Das unterbricht den Lesefluss. Auch gab es im Prinzip nur 9 Kapitel. Auch das fand ich eher ungünstig. Ich hätte mir eine Unterteilung wie in „BLACKOUT“ gewünscht. Durch die vorherige Angabe des Handlungsortes hatte ich gleichzeitig eine Orientierung, um wen es jetzt geht.

Fazit:

Marc Elsberg konnte mich insgesamt auch in diesem Buch wieder überzeugen, auch wenn ich „BLACKOUT“ doch mehr mochte. Sieht man über die kleinen Schwächen in der Gliederung sowie den Charakteren hinweg, liefert er erneut einen spannenden Thriller, der Einen zum Nachdenken anregt und gelegentlich auch gruselt. Und zwar nicht wegen der Horrorelemente, sondern wegen der Nähe zur Realität. Eine Leseempfehlung.

Autor:

Marc Elsberg

– geb. 1967 in Wien
– war Kolumnist der österreichischen Tageszeitung »Der Standard«
– Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg
– lebt und arbeitet heute in Wien
– weitere Werke:
BLACKOUT


8 von 10 Punkten

Ich danke Blanvalet ganz herzlich für dieses Rezensionsexemplar.

 blanvaletlogo

Ein Gedanke zu „Buch Review Marc Elsbergs „Zero“

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