Buch Review Nathaniel Hawthornes „Der scharlachrote Buchstabe“ – Verbotene Liebe

  Nathaniel Hawthorne – „Der scharlachrote Buchstabe „

Autor: Nathaniel Hawthorne
Titel: Der scharlachrote Buchstabe
Seiten: 324
Erscheinungsdatum: 24.02.2014
Sprache: deutsch
ASIN: 9783446244900 (Hardcover)
Amazon-Link: Der scharlachrote Buchstabe

 

 

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„Das stimmt, solche Menschen gibt es“, antwortete Herr Dimmesdale. „Doch ohne an naheliegendere Gründe zu denken, wäre es doch möglich, daß sie Schweigen bewahren aus der Veranlagerung ihres Wesens. Oder daß sie – dürfen wir es nicht annehmen?-, schuldig wie sie vielleicht sind, trotzdem am Eifer zu Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen festhalten und deshalb zurückschrecken, sich schwarz und dreckig vor den Augen der Menschen zu zeigen, weil sie danach nichts Gutes bewirken, nichts Schlechtes aus der Vergangenheit durch besseren Dienst auslöschen können. So wandeln sie zur eigenen unaussprechlichen Qual unter ihren Mitgeschöpfen und sehen dabei rein aus wie frisch gefallener Schnee, auch wenn ihre Herzen durch Unrecht befleckt und besudelt sind, von dem sie sich selbst nicht befreien können.“
„Diese Menschen betrügen sich selbst“, sagte Roger Chillingworth mit etwas größerem Nachdruck als gewöhnlich und machte eine kleine Geste mit dem Zeigefinger. „sie fürchten, die Schande auf sich zu nehmen, die ihnen von Rechts wegen zusteht. Ihre Liebe zu den Menschen, ihr Eifer für den Gottesdienst – diese heiligen Triebe mögen oder mögen nicht in ihren Herzen gemeinsam mit den bösen Insassen existieren, denen eigene Schuld die Tür entriegelt hat, so daß sie ihre Höllenbrut fortpflanzen müssen. Doch wenn sie Gott verehren wollen, dann sollen sie ihre unreinen Hände nicht gen Himmel heben! Wenn sie ihren Mitmenschen dienen wollen, dann sollen sie es, indem sie Kraft und Wirklichkeit des Gewissens zeigen und sich zur reuevollen Selbsterniedrigung zwingen! Möchten Sie, daß ich denke, o mein weiser, frommer Freund, ein falscher Schein könne mehr tun, könne besseres tun zur Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen, als Gottes eigene Wahrheit? Glauben Sie mir, diese Menschen betrügen sich selbst!“

Klappentext:

Amerika im 17. Jahrhundert: Eine Frau, des Ehebruchs schuldig, steht am Schandpfahl und verrät nicht, wer der Vater ihrer Tochter ist. Die gestrenge puritanische Obrigkeit verurteilt sie, als Zeichen ihrer Schande lebenslang einen scharlachroten Buchstaben zu tragen. Die Folgen dieser übertriebenen Moralvorstellungen und die Mechanismen der gesellschaftlichen Ausgrenzung schildert Nathaniel Hawthorne mit psychologischer Raffinesse. Sein Roman ist einer der wichtigsten amerikanischen Klassiker des 19. Jahrhunderts, als sich das moderne Amerika mit dem Blick in seine Geschichte neu erfand. Mit seiner glasklaren Neuübersetzung gibt Jürgen Brôcan dem Roman eine Gestalt für heutige Leser; im Anhang erläutert er die historischen und literarischen Hintergründe.

(aus der deutschen Ausgabe „Der scharlachrote Buchstabe“ Hanser Verlag)

Eigene Meinung:

Cover: Das Cover zeigt Hester am Steg. Eine Zeichnung. Ganz ehrlich, ich finde das Cover etwas bieder. Für ein derart teures Buch (27,90 für ein Hardcover in Taschenbuchgröße) hätte ich mich über mehr haptisches Vergnügen gefreut oder eben ein etwas schöneres Cover.

Inhalt/Geschichte: Ich weiß gar nicht mehr, wo ich von der neuen Übersetzung gelesen hatte. Ich glaube es war im Kultur-Spiegel. Von da an war klar, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dieses Buch zu lesen. Jürgen Brocan ist hier ein wundervolle Übersetzung gelungen. Ich musste mich zwar erst in die Geschichte einlesen, aber zur Mitte hin, hatte sie mich gefangen. Diese prüde puritanische Gesellschaft mit ihren Regeln, ihrem Schwarz-und-Weiß-Denken, ihrem strikten Glauben. So trostlos wie das Leben dort war, war auch diese Geschichte. Sehr düster, melancholisch. Am Ende geht es um eine Gesellschaftskritik an der Engstirnigkeit der Puritaner zum Einen. Zum Anderen wird man Zeuge einer Rache in Form einer psychischen Dekonstruktion, indem der Vater von Pearl langsam aber sicher in den Wahnsinn getrieben wird.

Charaktere: Hester hat mir gefallen. Sie erträgt ihre Schande stolz und mit Tüchtigkeit. Es zeigt, dass sie im Herzen gut ist und einfach den falschen Mann geheiratet hat. Doch sie steht dazu. Dennoch hat sie mich in ihrer Zwiespältigkeit gegenüber ihrer Tochter manchmal doch erschrocken. Es schien mitunter, als sei ihr Kind selbst noch ein scharlochroter Buchstaben. Auch der Ehemann und der Vater des Kindes waren besondere Charaktere, wobei ich den rachsüchtigen Ehemann auch als etwas feige empfunden habe, indem er sich nicht zu erkennen gab. Und gruselig war er, sehr grusleig. Auch Pearl Vater war feige, hat aber seine Gründe, denn auch er versucht auf seine Art seine Sünde wieder gut zu machen.

Stil/Gliederung: Und das war mein Highlight. Es gibt sie noch: Menschen, die der deutschen Sprache mächtig sind. Ich fand die Sprache einfach wundervoll. Sicher es ist „nur“ eine Übersetzung, aber auch da muss man erst mal den Geist des Originals einfangen. Einfach sicher nicht, denn es gibt schon ganz schön lange Schachtelsätze, aber wundervoll, wa sman mit Sprache anstellen kann.

Fazit:

Dies ist sicherlich kein Buch für zwischendurch. Man muss sich vollständig darauf einlassen. Und man muss in der richtigen Stimmung sein, denn das Buch ist doch recht düster und trostlos, was der Geschichte geschuldet ist. Dennoch hat es mir gefallen.

Autor:

Nathaniel Hawthorne

– geb. 04.07.1804 in Salem, USA, gestorben 19.05.1864 in Plymouth, USA
– entstammt einer Puritanerfamilie
– sein Ururgroßvater war einer der Richter bei den Hexenprozessen in Salem
– war verheiratet mit Sophia Peabody, hatte drei Kinder
– weitere Werke:
Das Haus mit den sieben Giebeln

Die Blithedale-Maskerade
Der Marmorfaun


8 von 10 Punkten

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