Buch Review Natascha Kampusch‘ „3096 Tage“ – Erschütternd und gleichzeitig beeindruckend

   Natascha Kampusch – „3096 Tage“

Autor:  Natascha Kampusch
Titel: 3096 Tage
Seiten: 288
Erscheinungsdatum: 01.03.2011
Sprache: deutsch
ASIN: B004WSO69M (Kindle eBook)
Amazon-Link: 3096 Tage

 

 

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„…es war, als würde er jemanden erwürgen und dabei fragen, ob er gut liege und der Druck so angenehm sei.“

„Ich fühlte mich wie ein geprügelter Hund, der die Hand, die ihn schlägt, trotzdem nicht beißen darf, weil es die gleiche ist, die ihn füttert.“

„Ich versuchte zu schreien. Aber es kam kein Laut heraus. Meine Stimmbänder haben einfach nicht mitgemacht. Alles in mir war ein Schrei. Ein stummer Schrei, den niemand hören konnte.“

Klappentext:

Natascha Kampusch erlitt das schrecklichste Schicksal, das einem Kind zustoßen kann: Am 2. März 1998 wurde sie im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt. Ihr Peiniger, der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, hielt sie in einem Kellerverlies gefangen – 3096 Tage lang. Am 23. August 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht. Priklopil nahm sich noch am selben Tag das Leben.

(aus der deutsch Ausgabe „3096 Tage“ Ullstein Buchverlage)

Eigene Meinung:

Cover: Es ist eine Biografie, also ist Natascha Kampusch auf dem Cover. Was soll man dazu sagen. Passt!

Inhalt: Nach dem Lesen dieses Buches brauchte ich erst einmal eine Pause zum Durchatmen, um dieses Review zu schreiben. Neben dem Lesen habe ich immer wieder Sachen im Internet nachgelesen, habe alte Interviews mit Natascha Kampusch angehört und angesehen, um mir ein noch umfassenderes Bild von ihrer Geschichte zu machen. Und das hat mich emotional sehr aufgewühlt, ihre Haltung und ihre Kraft aber auch sehr berührt und beeindruckt.

Dieses Buch erzählt relativ nüchtern von Natascha Kampusch‘ Kindheit. Was ich nicht wusste war, dass diese schon vor der Entführung nicht die Glücklichste war. Das macht es für mich noch trauriger, dass sie das erleben musste. Dennoch hegt sie in dem Buch keinen Groll gegen ihre Eltern. Im Gegenteil auch sie gehörten zu den Sehnsüchten und Hoffnungen, die sie dort in ihrem Verließ am Leben hielten.

Dabei war es schon manchmal schwer zu ertragen, mitzuverfolgen, wie sie über die Jahre schwerst körperlich misshandelt wurde. Wie sie das durchgehalten und schließlich sogar überlebt hat, ist mir ein Rätsel. Diese Szenen werden nüchtern erzählt oder als Auszüge aus ihren Aufzeichnungen, die aber ebenfalls nüchtern sind. Dadurch bleibt es noch erträglich. Zumindest für den Leser. Für sie muss es schrecklich gewesen sein.

Beeindruckt hat mich auch, wie sie ihr inneres Gefängnis beschreibt. Man kann sich kaum vorstellen, wie der Entführer sie so psychisch fertig gemacht hat, dass sie ihren Sinnen nicht mehr traut und so eingeschüchtert ist, dass sie gar nicht fliehen kann, selbst wenn sich die Gelegenheit ergeben würde. In den wenigen Stunden im Garten, glaubte sie es sei alles inszeniert. Die Realität kam ihr unreell vor.

Was auch erstaunlich ist, ist ihre Einstellung gegenüber dem Täter, den sie als Menschen sieht. Den sie zwar fürchtet, aber dennoch versucht Verständnis für ihn aufzubringen. Sie malt kein Bild von schwarz und weiß, was sie auch immer wieder betont. Und ich fand ihre Haltung mutig und nachvollziehbar.

Stil/Gliederung: Es gibt immer wieder Zeitsprünge vor die Entführung und dann wieder auch in der Entführungszeit hin und her, was manchmal verwirrt, weil man nicht genau weiß, wann man sich gerade befindet. Auch wiederholt sie sich manchmal. Im Großen und Ganzen liest es sich aber sehr gut und flüssig.

Fazit:

Für mich ist es ein sehr beeindruckendes Buch einer jungen Frau, die viel durchgestanden hat, aber danach ein starker Mensch geworden ist. Das zu lesen, erschreckt Einen wegen der Grausamkeit des Täters, beeindruckt aber auf der anderen Seite aufgrund der Stärke von Natascha Kampusch.

Autor:

Natascha Kampusch

– geboren am 17. Februar 1988 in Wien
– 1998 als zehnjährige von Wolfgang Přiklopil entführt
– mehr als acht Jahre lang in seinem Haus gefangen gehalten
– entfloh ihm 2006 im Alter von 18 Jahren
– 2008 absolvierte sie ihren Hauptschulabschluss
– eine Lehre zur Goldschmiedin brach sie ab
– engagiert sich sozial
– weitere Werke:
„3096 Tage“ war ihr einziges Buch

9 von 10 Punkten

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