Buch Review Philip Roths „Deception“ – Kompliziert, anstrengend, kritisch…

Philip Roths „Deception“

Autor: Philip Roth
Titel: Deception
Seiten: 202
Erscheinungsdatum: 04.01.2013
Sprache: englisch
ASIN: B00BFYC95E (Kindle eBook)
Deutscher Titel: Täuschung (Hanser Verlag)
Amazon-Link: Deception

 

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„One has periods of ghastliness. And then long periods of sort of quiet and love.“

„my imagination I am unfaithful to everybody, by the way, not just to you.“

Klappentext:

Ein wildes Spiel über die Täuschungen der Liebe. Beziehen sich die Notizen über eine exzessive erotische Beziehung, die die Ehefrau des Schriftstellers findet, auf eine wirkliche Geschichte – oder sind sie nur Material für einen Roman? Getäuscht sind am Ende alle – enttäuscht ist keiner. Denn die so beiläufig wirkenden Szenen sind kunstvoll miteinander verknüpft, und hinter dem burlesken erotischen Feuerwerk erscheint das gar nicht so komische Bild unserer Gesellschaft mit ihrem Ehrgeiz, ihrem Prestigedenken, ihren Vorurteilen, ihrer Kontaktarmut und ihrer sexuellen Gier.

(deutsche Ausgabe „Täuschung“ Hanser Literaturverlage)

Kritik:

Cover: Gut, darüber brauch man nicht diskutieren. Das Kindle Cover ist einfach nur nüchtern und unspektakulär.

Eindrücke/Inhalt: Ein besonderes Buch, das zur Zuckermann-Reihe gehört. Sehr anstrengend zu lesen. Man braucht dafür sehr viel Konzentration. Die Dialoge werden nicht durch Namen eingeführt, wie bei einem Schauspiel, sondern einfach aneinandergereiht. Dadurch verliert man schnell den Überblick, wer gerade spricht. Ich habe zwischenzeitlich auch das Hörbuch gehört, wo die Rollen durch geschlechtsspezifische Sprecher und Akzente deutlicher werden. Allerdings gehört es auch zu diesem Buch, das man rätselt, wer spricht. Es ist Teil der „Täuschung“.

Die Reflektion des Autors, Nathan, über das Schreiben fand ich sehr gelungen. Insbesondere der erste längere Dialog und der letzte haben große Stärken. Es wird dabei diskutiert über die Rolle der Muse. Wieviel ist Fiktion, wieviel von einer Figur autobiografisch. Es ist wie ein Buch im Buch. Zudem wird viel über Affären und Ehebruch diskutiert. Ich fand den Schlagabtausch zwischen dem „Autor“ und seiner „Affäre“ sowie seiner Ehefrau manchmal einfach göttlich. Und es steckte so viel Wahrheit darin.

Herrlich fand ich dann auch den Seitenhieb, als die Affäre ihn mit „Philip“ ansprach, ein eindeutiges Indiz, dass Roth sich in Nathan wiederfindet. Doch ist Nathan Roth oder ist er nur Fiktion?

Ich habe einige Zeit gebraucht, um in das Buch hinein zu finden. Am Ende hat mich aber seine Komplexität und Wortwitz überzeugt. Es ist sehr intelligent geschrieben, sehr verwoben. Dadurch ist es wirklich keine leichte Literatur, aber wenn man sich darauf einlässt und sich mal so lange nur dem Buch widmet, ist es ein literarischer Hochgenuss.

Charaktere: Hauptfigur ist der Autor Nathan, der gerade ein Buch schreibt. In diesem Buch kommt eine Frau vor, eine Affäre. Zwischenzeitlich redet er telefonisch mit dieser Affäre, wodurch wir mehr zu den Personen und der Vorgeschichte erfahren. Es gibt dann noch einen männlichen und einen weiblichen Nebencharakter, die mich persönlich weniger interessiert haben und wo ich dann manchmal nicht so genau zugehört/gelesen habe. Am sympathischsten sind die beiden Protagonisten, die Engländerin und der Autor.

Stil/Gliederung: Dialogform, wobei man nicht immer gleich weiß, wer spricht. Kurze Kapitel. Sprachlich wieder sehr gut, aber durch die Dialoge auch sehr anstrengend zu lesen.

Fazit:

Definitiv kein Buch für Zwischendurch. Insgesamt ist es anstrengend zu lesen, da man ständig konzentriert sein musste, um zu erfassen, wer gerade spricht. Das Hörbuch gab da Hilfestellung, da durch Akzent und die Verteilung der Rollen zwischen einer Sprecherin und einem Sprecher, die Dialogpartner sofort klar waren. Ich würde hier das Hörbuch empfehlen, denn das Werk ist dennoch empfehlenswert. Selbstkritik, Kritik an der Gesellschaft und der Zeit, machen es zu etwas Besonderem.

Handlung: 8/10
Charaktere: 8/10
Schreibstil: 8/10
Spannung: 7/10

Gesamt: 8 von 10 Punkten

Autor:

Philip Roth

– geb. 19.03.1933 in Newark, New Jersey, USA
– Sohn jüdischer Eltern
– begann Jurastudium an der Rutgers University
– wechselte 1951 auf die Buckele University, Studium der Englischen Literatur
– heiratete 1959 die Sekretärin Margaret Martinson Williams, 1963 Trennung, 5 Jahre später starb sie
– Popularität erhielt er durch den Skandalroman „Portnoy Beschwerden“
– 1990 erneute Heirat mit Claire Bloom, 1994 erneut geschieden
– weitere Werke:
Portnoys Beschwerden
Mein Leben als Mann
Der menschliche Makel
Indignation (Empörung)

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